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Nachruf auf Prof. Dr. Seitz

 Nachruf auf Prof. Dr. Manfred Seitz (1928-2017)

Der Fachbereich Theologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg trauert um Professor Dr. Manfred Seitz. Er hatte von 1972 bis zu seiner Emeritierung 1994 den Lehrstuhl für Praktische Theologie mit Schwerpunkt Homiletik, Liturgik und Seelsorge inne.

Manfred Seitz wurde 1928 in eine Pfarrersfamilie in Unterfranken hinein geboren. Nach dem Studium der Theologie in Neuendettelsau, Heidelberg und Erlangen wurde er 1958 in Erlangen mit einer Arbeit über Hermann Bezzel promoviert. Die für sein Leben und Werk kennzeichnende Verbindung von akademischer und kirchlicher Tätigkeit zeigte sich in seinem beruflichen Weg. Nach seiner Promotion war er zunächst in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern in verschiedenen Gemeinden und Ämtern tätig, so etwa als persönlicher Referent von Landesbischof Hermann Dietzfelbinger oder als Dozent am Pastoralkolleg Neuendettelsau. Kontakt und Austausch mit der Pfarrerschaft waren ihm stets ein Anliegen. 1969-1993 leitete er das Pastoralkollegs der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD).

Von 1966 bis 1972 war Seitz Professor für Praktische Theologie an der Universität Heidelberg, bevor er auf den Lehrstuhl nach Erlangen wechselte. Er leitete von 1977 bis 1979 die Geschicke der Fakultät als Dekan. Als Universitätsprediger entfaltete Seitz 1973-1994 beachtliche Wirkung im Raum der Universität sowie im öffentlichen Leben der Stadt. Auch interdisziplinär war Manfred Seitz unterwegs, wenn er intensiv das Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen insbesondere aus Medizin und Technik suchte.

Manfred Seitz verstand sich als akademischer Lehrer, der Studierende und Mitarbeitende im umfassenden Sinn anleiten und begleiten wollte. Die Einsicht, dass christlicher Glauben eine Sache des ganzen Lebens ist, führte ihn dazu, die Lehre vom geistlichen Leben (Aszetik) im evangelischen Bereich als Teildisziplin der Praktischen Theologie neu zu etablieren. Für missionarischen Gemeindeaufbau in einer zunehmend säkularen Welt hat er wegweisende Impulse gesetzt, die dann von seinem Schüler Michael Herbst in Greifswald ausgebaut und weitergeführt wurden. Seelsorge gehörte zu den Gebieten pastoralen Handelns, die ihm besonders wichtig waren. Die Lehre von der Seelsorge entfaltete er in der Doppelausrichtung von Trost und Ermahnung als „Parakletische Seelsorge“. In Lehre und Praxis der Seelsorge war es ein vordringliches Anliegen, das christliche Proprium zur Geltung zu bringen.

Theologische Wissenschaft und kirchliches Handeln waren bei Seitz in allem, was er als Professor tat, eng verbunden. In dem akademischen Theologen war stets auch der Prediger und Seelsorger erkennbar. In dieser Haltung beeindruckte und inspirierte er Menschen, die ihm begegneten.

Der Fachbereich Theologie wird ihn in ehrender Erinnerung behalten.

Gez. Professor Dr. Wolfgang Schoberth

Nachruf Prof. Seitz (PDF)