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Nachruf auf Prof. Dr. Niels-Peter Moritzen

Nachruf Prof. Dr. Niels-Peter Moritzen (1928-2017)

 

Der Fachbereich Theologie trauert um Prof. Dr. Niels-Peter Moritzen, emeritierter Ordinarius für Missions- und Religionswissenschaft.

Moritzen wurde am 2. Februar 1928 in Krusendorf/Kreis Eckernförde geboren, studierte zwischen 1946 und 1951 Evangelische Theologie in Kiel und Erlangen, wo er 1953 mit einer dogmengeschichtlichen Arbeit promoviert wurde. Nach dem Zweiten Theologischen Examen war er von 1955 bis 1962 als Pfarrer in der dänischen Gemeinde Sønderborg tätig, bis ihn der Deutsche Evangelische Missions-Rat in Hamburg, der damalige Dachverband der evangelischen Missionsgesellschaften, zu seinem Theologischen Referenten und Exekutivsekretär ernannte. In dieser Zeit war Moritzen als Herausgeber für das „Jahrbuch für Mission“ verantwortlich.

1967 wurde er auf den neu errichteten Lehrstuhl für Missions- und Religionswissenschaft der Erlanger Theologischen Fakultät berufen. Von 1970 – 1971 war Moritzen Dekan der Theologischen Fakultät, von 1971 – 1972 Prorektor der Universität Erlangen. Danach stand er der Hochschulkommission für Lehrerbildung vor. Bis zu seiner Emeri- tierung im Jahr 1993 lag sein Arbeitsschwerpunkt vor allem auf der Christentumsgeschichte in Indien, der Missionsgeschichte und auf der Erforschung neureligiöser Bewe- gungen. Moritzen hat 20 Dissertationen und 3 Habilitationen betreut. Einschließlich der Magister-Graduierungen haben sich bei ihm 15 ausländische Wissenschaftler qualifiziert. Moritzen hat sich in besonderer Weise für die Partnerschaft mit der Friedrich- Alexander-Universität mit der Tumaini Universität/Makumira in Tansania engagiert und dadurch die Grundlagen für einen regelmäßigen Austausch von Studierenden und Dozierenden zwischen Erlangen und Makumira gelegt.

Die wissenschaftlichen Beiträge Moritzens haben sich u.a. befasst mit der missionarischen Existenz der Kirche (so etwa das 1974 erschienene Buch „Pfarrer für morgen in der Dritten Welt”) oder mit missionsgeschichtlichen Fragestellungen, so etwa mit der Leipziger Mission zwischen 1836 – 1936 („Werkzeug Gottes in der Welt”, 1986). Als Standardwerke des Faches galten für viele Jahre das von ihm 1975 herausgegebene „Lexikon zur Weltmission” sowie die zusammen mit Stephen Neil herausgegebene „Geschichte der christlichen Mission (1990). Aus religionswissenschaftlicher Perspektive untersuchte er 1980 “Die Vereinigungskirche San Myung Muns”. Von 1969 – 1974 war er verantwortlicher Schriftleiter verschiedener Zeitschriften. Außerdem betreute Moritzen die „Jährliche Literaturschau zu Fragen der Weltmission”. Seine Publikationsliste um- fasst über 400 Titel.

Nach seiner Emeritierung hat Moritzen sein langjähriges Engagement für die Partnerschaft mit der Theologischen Hochschule in Makumira (Tansania) fortgesetzt, sich aber auch erneut einer wissenschaftlichen Erschließung von Quellen aus der Missionsgeschichte gewidmet. In mehreren Bänden wurden von ihm bisher unbekannte Texte aus den Anfängen der Missionsgeschichte in Indien (2002 und 2006) sowie zur Missionsgeschichte im südlichen Afrika (2014) herausgegeben und kommentiert. Darüber hinaus hat er ein allgemeinverständliches Buch über den Buddhismus in Deutschland publiziert (1999) sowie eine Darstellung der bis in die Anfänge des 19. Jahrhunderts zurück- reichenden Vorgeschichte seines Lehrstuhls (1998).

Am 3. Juni 2017 ist Niels-Peter Moritzen im Alter von 89 Jahren verstorben.

Gez. Professor Dr. Wolfgang Schoberth

Den Nachruf finden Sie zum Download hier: Nachruf. Prof. Moritzen