Gastvortrag von Peter Sloterdijk

Den Berg des Unwahrscheinlichen erklimmen – Anmerkungen zur anthropologischen Differenz

Peter Sloterdijk zählt zu den profiliertesten Gegenwartsphilosophen im deutschsprachigen Raum. Sein Werk kreist seit Jahrzehnten um Fragen politischer Souveränität, um die religiösen Bestände, aus denen politische Ordnungen ihre Legitimität beziehen, und um die Verwerfungen, die entstehen, wenn diese Bestände in säkularen Zusammenhängen weiterwirken, ohne noch als religiös kenntlich zu sein.

Im Rahmen der Tagung »Heilsversprechen und Herrschaftstechnologien« spricht Peter Sloterdijk unter dem Titel »Den Berg des Unwahrscheinlichen erklimmen – Anmerkungen zur anthropologischen Differenz« über diese Fragen und ihre Bedeutung für die Gegenwart.

Der Abendvortrag von Sloterdijk ist öffentlich und kostenlos.

Wann: 08. Oktober 2026, ab 19:15 Uhr

Wo: Kreuz+Quer, Bohlenplatz 1, 91054 Erlangen

Um Anmeldung per Mail (max.tretter@fau.de) wird gebeten.


Worum geht es?

Peter Thiel hält Vortragsreihen über den Antichristen – und meint damit demokratische Verfahren und ihre Bürokratie. Ein ehemaliger Intel-CEO bewirbt ein »christliches Sprachmodell«, das die Wiederkunft Christi beschleunigen soll. In sozialen Netzwerken kursieren KI-generierte Bilder, auf denen politische Akteure als Märtyrer und gottgesandte Führungsfiguren erscheinen – verbreitet mitunter über offizielle staatliche Accounts.

Das sind keine bloßen Randerscheinungen digitaler Kultur. In ihnen verschiebt sich etwas Grundsätzliches: Politische Autorität wird nicht mehr nur beansprucht, sondern religiös überhöht und technologisch verlängert. KI erscheint dabei weniger als Hilfsmittel demokratischer Entscheidungsfindung denn als vermeintlich überlegene Form politischer Steuerung, die von menschlicher Irrationalität, Konflikthaftigkeit und Langsamkeit befreien soll.

Damit wird KI zum säkularisierten Heilsversprechen, während demokratische Aushandlungsprozesse als träge, relativistisch und ordnungsschwach delegitimiert werden. Es entsteht eine eigentümliche Konstellation aus Künstlicher Intelligenz, Demokratie und christlich codierten Deutungsmustern, in der neu verhandelt wird, wer oder was politische Ordnung begründen und legitimieren kann.


Die Tagung

Der Gastvortrag ist Teil der Tagung

Heilsversprechen und Herrschaftstechnologien: Demokratie und Künstliche Intelligenz im Horizont christlicher Deutungsmuster

die am 8. und 9. Oktober 2026 an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg stattfindet.

In fünf Panels bringt die Tagung Wissenschaftler:innen aus Theologie, Philosophie und Medienwissenschaft sowie aus der journalistischen Praxis zusammen. Gemeinsam fragen sie danach, wie sich die gegenwärtigen Verschränkungen von KI, politischen Ordnungsansprüchen und christlichen Deutungsmustern verstehen und kritisch analysieren lassen – und welchen besonderen Beitrag Theologie und theologische Ethik hierzu leisten können.

Die Tagung wird von der Fritz Thyssen Stiftung gefördert. Der Abendvortrag findet in Kooperation mit BildungEvangelisch statt.