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Religionswissenschaft ist eine historisch-philologisch und sozialwissenschaftlich arbeitende Kulturwissenschaft, die religiöse Traditionen, Vorstellungen und Handlungsmuster erforscht. Religionswissenschaft verbindet spezielles Wissen über religiöse Traditionen mit der Reflexion über die eigenen methodischen Zugänge der Wissenschaft auf ihren Gegenstände. Religions- und kulturgeschichtliche Entwicklungen werden dargestellt wobei in Erlangen ein Schwerpunkt auf der Analyse transkultureller Austauschprozesse und Transformation von religiösen Vorstellungen und Praktiken liegt, die in ihren jeweiligen kulturellen Zusammenhängen erforscht werden.

Missionswissenschaft wird heute als interkulturelle Theologie verstanden und betrieben. Die Erforschung kontextueller Theologien in Afrika, Asien und Lateinamerika und die kritische theologische Reflexion interreligiöser Austauschprozesse und Dialoge steht dabei im Mittelpunkt.

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Die Erforschung von Religionen ist nie ein unschuldiges Unternehmen gewesen (Der amerikanische Religionswissenschaftler Jonathan Z. Smith hat das einmal so formuliert: „The discipline of comparative Religions is by no means an innocent endeavor.”).

Die Religionswissenschaft ist eine noch relativ junge akademische Disziplin, die erst vor rund hundert Jahren an Universitäten eingeführt wurde und in ihrer wissenschaftlichen Ausprägung als ein Produkt der Aufklärung begriffen werden kann. Religionswissenschaft hat sich zur Zeit der kolonial-imperialistischen Ausbreitung des Westens, der missionarischen Expansion des europäischen Christentums und der Begegnung von Europäern mit anderen Formen des Religiösen als eigenständige Disziplin entwickelt. Dabei hat sie ihren klassischen Fokus insbesondere auf historische als auch vergleichende Betrachtung von Religionen ausgebildet. Damit ist sie parallel zu und in engem Austausch mit der Ethnologie und der philologischen Erforschung fremdreligiöser Texte entstanden.

Für die Missionswissenschaft galt die Religionswissenschaft lange Zeit als Religionskunde, die der apologetischen Beurteilung der anderen Religionen aus der Perspektive des Christentums diente. Die Intention, Religionswissenschaft für die Zwecke der christlichen Mission als Hilfswissenschaft einzusetzen, diente allerdings nicht nur der apologetischen Einordnung anderer Religionen in das christliche Weltbild, sondern hat auch Möglichkeiten des interreligiösen Dialogs eröffnet.

Religionswissenschaft hat Religionen beschrieben und historisch eingeordnet, sie hat Kategorien religiöser Begriffsbildungen geprägt, sie hat mit Unterscheidungen wie der zwischen „der Religion der Primitiven“ und „Hochreligionen“ Hierarchisierungen und Wertungen vorgenommen – mit einem Wort: Sie hat Religionen und Kulturen vermessen.

Die noch immer gängigen Begriffe „Hinduismus“, „Weltreligionen“, „Fundamentalismus“, aber auch „das Heilige“, „das Opfer“ u.a. veranschaulichen, wie die Religionswissenschaft sich ihres Gegenstands bemächtigt und Macht auf ihn ausgeübt hat und ausübt.

Unsere Bilder von anderen Religionen und Kulturen sind zu einem nicht geringen Teil Produkte dieser westlichen religionswissenschaftlichen Begriffsbildungen. Sie erzeugen bei uns, aber auch in den erforschten Kulturen eine Wirklichkeit, die die Wahrnehmung von Religionen auch weiterhin prägt. Als Beispiele hierfür seien die im Westen herrschenden Stereotypen vom Hindu als friedfertig und vom Islam als einer zur Gewalt tendierenden Religion erwähnt. Dass religionswissenschaftliche Begriffsbildungen aber auch in fremdkulturelle Kontexte eingewirkt haben, kann man etwa an den in Afrika geführten Debatten um Mono- und Polytheismus beobachten.

[mehr zum Verhältnis der Religions- und Missionswissenschaft]